Landkreis Gießen – Breitbandausbau noch lange nicht am Ende

Gießener Allgemeine Zeitung vom 03.08.2018

99 Prozent der Haushalte im Landkreis sind mit schnellem Internet versorgt – das Ziel sind 100 Prozent. Und es soll nahtlos weitergehen mit der Breitband-Offensive im Kreis:

Knapp 970 Haushalte oder Unternehmen warten noch auf den Anschluss an die dicke Datenleitung – und auch alle Schulen: 90 Bildungseinrichtungen in den 18 Kreiskommunen, und zwar ungeachtet der Trägerschaft, sollen ebenfalls das schnelle Netz bekommen. Das Ziel ist eine Übertragungsrate von wenigstens 30 Mbit/s in jedem Klassenzimmer. Im Blick sind auch Feuerwehren und Rathäuser, um für e-Government-Aufgaben gerüstet zu sein.
Breitband Gießen wird weitergeführt
Zudem geht der Ausbau für alle Endkunden weiter: Die Glasfaser soll bis in jedes Haus gelegt werden (FTTB=Fiber to the building). Bislang wurde Glasfaser bis zum Bordstein verlegt (FTTC=Fiber to the curb) und auf der restlichen Strecke bis zum Gebäude das vorhandene Kupferkabel genutzt.
»Wir sehen uns noch nicht am Ende«, sagt der Licher Bürgermeister Bernd Klein. Deshalb wird auch die Gesellschaft Breitband Gießen GmbH ungeachtet des bislang Erreichten fortgeführt. Darin haben sich vor sieben Jahren alle Kommunen, der Landkreis sowie Unternehmen zusammengeschlossen. Für den Ausbau in den Schulen, die letzten Lückenschlüsse sowie die Glasfaserstrategie sind bereits neue Fördermittel vom Land (2 Millionen Euro) und vom Bund (6,3 Millionen Euro) avisiert. Klar ist allen Beteiligten dabei aber auch: Kreis und Kommunen werden das co-finanzieren müssen. Wenn es klappt wie geplant, so können die Arbeiten noch in diesem Herbst ausgeschrieben und im Winter vergeben werden. Danach soll es rund weitere zwei Jahre dauern, bis alles erledigt ist. Dieses Zeitfenster nannten Landrätin Anita Schneider und der Chef der Breitband Gießen GmbH, Stefan Becker, am Donnerstag in Langsdorf.
Dort hatten sich Partner und Projektbeteiligte des bisherigen Breitband-Ausbaus zusammengefunden, um in Stephan Gütlichs »Kochwerk« einen Meilenstein zu feiern, mit dem zugleich ein erster Kreis geschlossen wird: Der Abschluss der »Ausbaustufe zwei« in dem ambitionierten Breitband-Projekt. Denn just Langsdorf war 2011 der erste Ort, in dem 50 MBit/s Übertragungsraten möglich waren: »Seinerzeit ein Quantensprung«, erinnert Bürgermeister Klein. Die Breitband Gießen GmbH war im März 2011 mit dem Ziel gegründet worden, den Breitbandausbau im Landkreis Gießen flächendeckend zu gewährleisten. Dies ist jetzt in zwei Ausbaustufen nahezu gelungen.
Der Netzausbau in der Stufe 2 wurde nach einer Ausschreibung von der Deutschen Telekom im Jahr 2016 übernommen. Stefan Becker dankte der Telekom im Namen der Breitband Gießen für die gute Zusammenarbeit. Die Breitband Gießen GmbH übernahm in der Ausbaustufe 2 eine Steuerungsfunktion zwischen den Beteiligten und koordinierte die Versorgung der restlichen Ortsteile.
Die Kosten beliefen sich für die Kommunen in den ersten beiden Ausbaustufen auf rund 9 Millionen Euro. »Um den nicht-rentierlichen Teil der Investitionen, wie die Anbindung entfernter oder kleinerer Ortschaften zu gewährleisten, haben die Gemeinden im Jahr 2012 mit dem Kreis eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die zu 49 Prozent in die Breitband Gießen GmbH eingestiegen ist«, berichtete Bernd Klein, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Breitband Gießen. Die restlichen 51 Prozent hält die W&L Holding, eine GmbH der Unternehmensgruppen Weimer und Lück.